30 Jahre der Musik zuliebe Bravi Buam feiert 30 Jahre Bestehen
Unglaublich, aber es ist wahr: die ungarn-deutsche Musikkapelle, eine der bekann-testen im Land und eines der Wahrzeichen der Stadt Werischwar, feiert 30 Jahre Beste-hen! Worin besteht ihr Geheimnis? - Wir haben immer gemacht, was uns Spaß machte. Wir wurden nicht von Erfolg moti-viert. Wir haben die Einladungen immer angenommen, wo wir gern gesehen wurden - erinnert sich eines der Gründungsmit-glieder der bekannten Musikgruppe, Zoltán Peller an die vergangenen drei Jahrzehnte.
Die Bravi Buam - seit 2005 auf 6 Mitg-lieder geschrumpft, spaßhalber auch Sechser Gespann bezeichnet - ist zu Recht stolz auf die erbrachten Leistungen. Sie bewahrten auch in der schweren Zeit immer ihre Eigen-ständigkeit und hatten keinen Manager. So gehorchten sie keinem Diktat von außen. Auch heute leiten die beliebte Kapelle zwei Mitglieder. Zoltan Peller besorgt die Termine für die Auftritte, regelt Werbung und Kom-munikation. Tamás Mirk ist verantwortlich für den musikalischen Teil. Schlagzeuger und Sänger Zoltan Peller - werktags bedient er übrigens im Buffet des Schiller-Gymnasiums in Werischwar - erinnert sich gern an die Heldenzeit wie es einst am 8. März 1980 begann. Dann traten nämlich drei begeisterte Freunde der ungarndeutschen Volksmusik - Tamás Mirk, Zoltán Peller und Attila Bogár - zuerst vor das Publikum als sie beim Frauen-tagsfest in der Grundschule am Kirchplatz in Werischwar die Lehrerinnen mit ihrer Musik begrüßten, dabei großes Aufsehen erregten und Applaus ernteten.
Aller Anfang ist schwer - das wissen natürlich auch die Bravi Buam von Werischwar, die ihren Namen wohl den alten Kirchgängerin-nen verdanken. Zu einem solchen Unter-nehmen brauchten die jungen Musiker natürlich auch Geld. Sie nahmen also im Jahr 1990 selbst ein größeres Bankkredit zur Herausgabe ihrer ersten MC auf, ohne daß darüber die Eltern gewußt hätten. "Sie sprachen wochenlang nicht mit uns, als sie dies erfuhren" - sagt heute schmunzelnd Zoltán Peller. Das Geld konnten sie - dank den zahlreichen Einladungen natürlich bald restlos zurückzahlen.
Die Musik zog mehrere Freunde im ähnlichen Alter an, die eine Zeit lang an der musikalischen Umrahmung von Bällen und Hochzeiten mitspielten. Es änderte sich auch die Zusammensetzung der Musikgruppe. Attila Bogár ging mit 14 Jahren ins Musik-konservatorium, wo er das Fach Posaun wählte. Tibor Vörös folgte einer Einladung des Operettentheaters. Zoltán Breier spielte eine Weile Trompete, Ágost Ahrendt Klari-nette, Károly Nyírõ Tenorhorn. Seit 2005 hat das Orchester die heutige Zusammen-setzung: Tamás Botzheim (Tuba, Bariton, E-Bass), Tamás Korycki (Klarinette), Zsolt Lovász (Gitarre), Tamás Mirk (Akkordeon, Gesang), Zoltán Peller (Schlagzeug, Gesang) und Ákos Székely (Trompete).
Anfangs war ihr Konzertkalender extrem voll. So intensiv können sie heute natürlich - alle sind Familienväter - nicht mehr auf Kon-zertreisen gehen. Sie spielten vor dem Jahr 2000 bei mehreren hundert Hochzeiten ungarndeutsche Musik und traten im Jahr 50 bis 60mal auf. So führte sie ihre Musikreise auch nach Österreich, Frankreich, Polen, Italien, in die Tschechei, und sie waren sogar dreimal in den USA. Sie spielten immer vor deutschstämmigem Publikum, oft vor ehemaligen Ungarndeutschen. Am häufigsten traten sie wohl in Deutschland u.a. in Marburg, Wetzlar und Gießen auf, auch bei Vertrieben-entreffen. Sie gaben aber auch ein Wohltätig-keitskonzert zugunsten von krebskranken Kindern in Marburg. Auch heuer ist das Konzertkalender bis Ende November praktisch voll. Die Musik bringt die Bravi Buam im Mai nach Kassel, wo ein viertägiges Mu-sikprogramm für ältere Menschen stattfindet. Im August sind sie nach Dexbach eingeladen. Im Inland werden sie an Wochenenden landesweit an mehreren Stellen zu hören sein, von Westungarn bis zur Schwäbischen Türkei.
Wie steht es mit dem Musikangebot des Orchesters? Sie spielen sowohl Musik aus der Region, erlernen aber immer wieder neue Lieder, was sie bearbeiten. Sehr beliebt sind u.a. das Trompetensolo "Silberfäden", "Auf der Alm", "Schwiegermutter" und "Neujahr 1958". "So schön kann Musik sein" - sangen sie, was auch als Symbol für die 30 Jahre stehen könnte. Von den drei Jahrzehnten ge-meinsamen Musizierens zeugen fünf CDs, mehrere MCs und eine informative Webseite.
- Wir wollten keinen "Lagzi Lajcsi Stil" nachahmen und vertraten immer unsere eigenen Ansichten - erzählt Zoltán Peller. - Wir haben etwas in der Region in Gang gesetzt. Es ist uns auch gelungen, denn wir werden für unsere ungarndeutsche Musik sehr ge-schätzt. Der Volksmusik verdanken wir sehr viele liebe Freunde und Bekannte. Wir werden bei unseren Auftritten von unserem Publikum bejubelt und richtig liebevoll herumgetragen. Unser großer Schatz - das ist unser Dialekt.
Die Bravi Buam wurde wohl nicht ohne Gründe dreimal zum besten ungarndeut-schen Orchester gewählt. Ihnen wurde 2003 auch eine Verdienstmedaille der Stadt We-rischwar verliehen. Die Musik verbindet auch Generationen, denn alle Kinder der sechs Musiker mögen und spielen selbst gern Musik. Einer hat bereits seine eigene Gruppe gegründet. Darauf sind die Bravi Buam besonders stolz.
Wie feiert man 2010 das Festjubiläum? Heuer begeht man es recht still, denn das Vierteljahrhundertfest vor 5 Jahren als es in einem 1000m2 Bierzelt vor einem begeisterten Stammpublikum begangen wurde, kostete sehr viel Organisation. So viel Zeit finden heute die arbeitstätigen Musiker leider nicht mehr.
Liebe Bravi Buam, wir wünschen Euch noch viele schöne Konzerte, uns und der ungarndeutschen Musik zuliebe!